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Residenz April 2021 Choreograf, Tänzer und bildender Künstler André Uerba

Der Choreograf, Tänzer und bildende Künstler André Uerba studierte Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin und Fotografie an der Ar.Co Lissabon. Seit 2013 arbeitet Uerba intensiv zu performativen Möglichkeitsräumen an der Grenze zwischen Choreografie und Skulptur. Er kollaboriert mit Künstlern*innen wie Alexandra Pirici, Antonija Livingstone, Clément Layes, Sandra Man & Moritz Majce, Julian Weber, Diego Agulló und Tino Sehgal. Mit dem Duo Ana Borralho & João Galante tourte er als künstlerischer Mitarbeiter für das Stück „Atlas“ (2012-18). 2018 erhielt Uerba eine Einstiegsförderung des Berliner Senats und entwickelte „Burn Time“, das in der Tanzfabrik Berlin Premiere feierte und seitdem international tourt – u.a. präsentierte er es 2020 im radialsystem. Seit 2021 ist Uerba Teil des Projekts „Re-Think (Accessibility & Sustainable Mobility)“, das vom Schwedischen Institut und Norrlandsoperan unterstützt wird.

Wie manifestieren sich Berührungen in unseren Körpern und welche Spuren hinterlassen berührende Begegnungen? Ob durch ein Bild, einen Klang oder einen Körper erzeugt: Während seiner Residenz im radialsystem untersucht André Uerba die unterschiedlichen Dimensionen von Berührungen, ihre Eigenschaften, Qualitäten und Komplexitäten. Über Bewegung, Verlangsamung und Konzentration auf den Körper erprobt Uerba gemeinsam mit seinen Co-Resident*innen verschiedene Formen des Kennenlernens und Sich-Fühlens, um das Potential eines Miteinanders zu erforschen: Körper, die aufeinandertreffen, sich koordinieren, nonverbal kommunizieren – und so gemeinsam einen Raum eröffnen, den Uerba als „politischen Körper-Raum“ versteht.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Berührung begann André Uerba während den Proben zu seiner Arbeit „Burn Time“ 2018. Während der Residenz im radialsystem führt er seine laufende Forschung dazu weiter. Schwerpunkte seiner Forschung bilden das Interesse an Entschleunigung sowie die Wertschätzung eines Anders- und Zusammenseins.

Videointerview André Uerba

Filmpräsentation André Uerba

Foto: Phil Dera

 

Residenz Februar 2021 Choreografin und Tänzerin Jee-Ae Lim

Jee-Ae Lim studierte traditionellen koreanischen Tanz an der Kyung-Hee Universität in Seoul und absolvierte ihren Master in Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin. Ihre Arbeiten sind geprägt vom Verhältnis zwischen Tradition und Zeitgenossenschaft und widmen sich häufig der Alltagspraxis transmigrantischer Gesellschaften. Im Jahrbuch Tanz wurde sie 2014 zur „Hoffnungsträgerin“ und vom Gaeksuk Magazin zur „Young Leading Artist 2015“ gewählt. Zwischen 2017-2020 erhielt sie mehrere Förderstipendien vom Berliner Senat und dem Arts Council Korea. Zu ihren aktuellen Arbeiten zählen „Your East, My Ghost“ (2018) und „Mountain, Tree, Cloud and Tiger ver.0“ (2019/2020). Ihre Arbeiten waren u.a. in den Sophiensaelen in Berlin und an verschiedenen Orten in Korea zu sehen.

Jee-Ae Lims künstlerisches Interesse gilt der Betrachtung des Körpers als bewegtes Archiv – als Träger kultureller Erfahrungen und Erinnerungen im Verhältnis zwischen Tradition und Zeitgenossenschaft, individueller Erinnerung und kulturellem Gedächtnis, Mobilität und Heimat. Impulsgebend für ihre Arbeit ist die eigene Erfahrung der Diaspora, die sie im Tanz körperlich reflektiert. Gemeinsam mit Co-Residentin Natsuko Tezuka erforscht sie den ‚diasporischen‘ Körper als potenziell neue Form kultureller Praxis.

→ Videointerview Jee-Ae Lim und Natsuko Tezuka

→ StudioVisit Jee-Ae Lim und Natsuko Tezuka

Foto: Phil Dera

 

 

Residenz November 2020 Choreografin und Tänzerin Lina Gómez

Die in Kolumbien geborene Choreographin, Tänzerin und Bewegungslehrerin Lina Gómez studierte zunächst Tanz und Theater in Sao Paulo/ Brasilien. Ihren Master in Choreografie erhielt sie anschließend am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin, wo sie heute lebt und arbeitet. Für ihr Gruppenstück „A Passo di Mulo“ (2018) erhielt sie eine Förderung der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Ihre Arbeit „Restraint“ wurde an verschiedenen Orten in ganz Europa präsentiert und war Teil der europäischen Tanzplattform „Aerowaves Twenty19“. Das Goethe-Institut unterstützte sie mehrfach. Als Tänzerin und Performerin arbeitet Lina Gómez unter anderem mit Tino Sehgal, Yoshiko Chuma, Edson Fernandes und Jorge Garcia.

Gómez‘ singuläre choreografische Handschrift ist geprägt durch eine kompromisslose Auseinandersetzung mit dem Körper, durch ein starkes Formbewusstsein und durch die Verknüpfung diverser Bewegungstraditionen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen. Darüber hinaus erarbeitet Lina Gómez in ihren Stücken komplexe Beziehungen zwischen Musik und Tanz, die beispielhaft dafür sind, wie aus der Perspektive der Choreografie derzeit ein neuer zeitgenössischer Blick auf das geworfen wird, was „Musiktheater“ jenseits der Genrekonventionen noch bedeuten könnte. Ihre interdisziplinäre Arbeitsweise, ihre Auseinandersetzung mit Grenzen zwischen Körper, Raum und Klang beziehungsweise mit ihrer Auflösung teilt sie mit der programmatischen Ausrichtung des radialsystem.

→ Videointerview Lina Gómez

Foto: Ruppert Bohle

© Ruppert Bohle