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Fr 15 01
Konzertfilm
19 Uhr

Stream

Konzertfilm

Der Konzertfilm sowie ein Stream der "Outernational Listening Session" werden im radar auf unserer Website verfügbar sein.

Outernational: Transtraditional concerts

#2 Wa & Davul // Konzertfilm
Kamilya Jubran
Kamilya Jubran © Christopher Smolkovic
Musik als Geschichte von Wandel und Migration: „Outernational“ ist eine neue transtraditionelle Konzertreihe im radialsystem, die sich auf die Suche nach einer zeitgenössischen, hybriden, globalen Musik ohne Exotismen und Essenzialismen macht. In Zusammenarbeit mit herausragenden Solist*innen präsentiert „Outernational“ interdisziplinäre Programme, die im radialsystem Premiere feiern und anschließend an verschiedenen Orten in Europa gastieren. Ergänzt werden die Konzerte mit politischen, sozialen und postkolonialen Fragestellungen im Rahmen von „Outernational Listening Sessions“.

Nach dem Start der Reihe Ende Oktober treffen beim zweiten „Outernational“-Konzert erstmalig der aus Istanbul stammende Musiker und Künstler Cevdet Erek sowie die palästinensische Musikerin Kamilya Jubran und der Schweizer Trompeter und Elektronikkünstler Werner Hasler musikalisch aufeinander. Kamilya Jubran ist eine der prägendsten und einflussreichsten Stimmen der arabischen Avantgarde. Sie durchdringt traditionelle musikalische Einflüsse mit der ihr eigenen Experimentierfreude und spielt dabei mit musikalischen Erwartungshaltungen. Begleitet von Werner Hasler begibt sich die Sängerin mit ihrem neuen Programm „Wa“ – was auf Arabisch „und“ bedeutet – in neue musikalische Räume – quadrofonisch verstärkte Texturen, die im nächsten Augenblick in sich zusammenfallen. Cevdet Erek widmet seine langjährig entwickelte Performance der Davul, einer Bassdrum, die zu den ältesten Trommeln weltweit gehört und in Regionen des östlichen Europas sowie des Mittleren Ostens verbreitet ist. Seine Spielweise ist einzigartig und umfasst komplexe, traditionelle Tanzrhythmen über technoähnliche bis zu sensibel-archaischen Beats. Eingerahmt wird das Programm von Barock- und Renaissanceklängen, die alte Hörräume zwischen Fundament bis Ornament aufspannen – gespielt von Andreas Arend auf der Theorbe, David-Maria Gramse auf der Violine und Liam Byrne auf der Gambe.

Das ursprünglich für den 15. Dezember geplante live-Programm wurde aufgrund der aktuellen Situation umkonzeptioniert und wird nun als Konzertfilm präsentiert, in dem Videoaufnahmen aus dem radialsystem mit Soundaufnahmen der Künstler*innen kombiniert werden, die nicht nach Berlin reisen konnten. Ergänzt wird das Konzert um eine „Outernational Listening Session“, in der sich Prof. Dr. Naika Foroutan, Direktorin und Leiterin der Abteilung „Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik“ am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, und die Sozialwissenschaftlerin Esra Küçük, Geschäftsführerin der Allianz Kulturstiftung, mit Fragen der post-migrantischen Gesellschaft auseinandersetzen.

Programm
15 01 2021
Konzertfilm "#2 Wa & Davul"

20 01 2021
Stream "Outernational Listening Session"

Die Sängerin und Oudspielerin Kamilya Jubran ist seit ihrer Kindheit der klassischen arabischen Musik verbunden. Während ihres Studiums an der Hebräischen Universität in Jerusalem schloss sie sich der palästinensischen Musikgruppe Sabreen an, deren Anliegen es ist, das Bewusstsein für die Bedeutung von Musik und Musikerziehung zu schärfen. Gemeinsam mit Sabreen nahm Jubran vier Alben auf und tourte lokal wie international. Seit 2002 arbeitet sie mit dem Trompeter Werner Hasler zusammen und ist mit ihm im Duo auf der Suche nach musikalischen Ausdrucksformen. Ihr aktuelles Projekt „WA“ (2019) ist bei Everest Records erschienen. Seit 2014 ist sie künstlerische Leiterin des Projekts Zamkana, mit dem sie 2018 die Produktion „SODASSI“ verwirklichte und 2020 in Zusammenarbeit mit La Dynamo de Banlieuesbleues die Musikplattform „Terrae Incognitae“ ins Leben rief.

Werner Hasler ist Trompeter, Elektroniker und Komponist. Seit 2002 arbeitet er mit der Sängerin und Oudspielerin Kamilya Jubran im Duo, das aktuelle Projekt „WA“ (2019) ist bei Everest Records erschienen. 2009 erhielt er ein Werkjahrstipendium der Kulturstiftung Liechtenstein. Während dieser Zeit komponierte er für das Ensemble the outer string, in dem er mit Vincent Courtois, Carlo Niederhauser, Katryn Hasler, Marie Schmit, Gyda Valtisdottir, Christoph Steiner, Franck Vaillant und Julian Sartorius zusammenarbeitete. Die Arbeiten sind zwischen Installation, Ausstellung und Konzert verortet. Zudem ist er u.a. mit Jon Hassell, Sidsel Endresen, Don Li und dem Ensemble Zampugn aufgetreten. Seit 2012 lehrt Hasler an der Hochschule der Künste Bern im Bereich Music and Electronics.

Der aus Istanbul stammende Künstler und Musiker Cevdet Erek studierte Architektur sowie Sound Engineering & Design. Seit seinem Studium ist er Mitglied der Band Nekropsi. Von 2005-2006 war er Artist-in-Residence an der Rijksakademie in Amsterdam. Zahlreiche seiner Installationen wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen international präsentiert, u.a. vertrat er 2017 die Türkei auf der 57. Biennale von Venedig mit seiner Arbeit „ÇIN“. Jüngst wurden seine Arbeiten „Bergama Stereo“ (2019) im Hamburger Bahnhof, Berlin, und „chiçiçiçichiciçi“ (2019) am Art Institute Chicago ausgestellt. Regelmäßig tritt Erek zudem als Solokünstler mit der Davul auf, einer traditionellen Basstrommel. 2017 wurde sein Album „Davul“ bei Subtext Recordings, Berlin, veröffentlicht. Derzeit unterrichtet er an der Technischen Universität in Istanbul, am ITÜ TMDK (Turkish Music State Conservatory) und İTÜ MIAM (Centre for Advanced Studies in Music).

Der Komponist und Lautenist Andreas Arend entwickelte in den letzten Jahren diverse Programme und Konzepte, die historische Elemente mit zeitgenössischer Musik verknüpfen. In kammermusikalischer Besetzung spielt er häufig im Duo mit Nils Mönkemeyer (Viola) und Veronika Skuplik (Barockvioline). Ebenso spielt er regelmäßig in größeren Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester. Unter seiner Mitwirkung entstanden zahlreiche CDs, zuletzt als „Ballads within a dream“ (2020, DHM), ein komponiertes Set rund um alte englische Folksongs für Stimme, Violine, Viola da Gamba und Theorbe.

Der Geiger David-Maria Gramse spielt auf modernen und historischen Instrumenten. Sein besonderes Interesse gilt der Arbeit in kleineren Besetzungen vom Duo bis zum Kammerorchester, sowie der Auseinandersetzung mit der Aufführungspraxis älterer Musik. Er hat bereits mit zahlreichen Ensembles und Orchestern wie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Dresdner Festspielorchester, dem Balthasar-Neumann- Ensemble und dem Pariser Orchester Le Cercle de l’Harmonie zusammengearbeitet. Seit 2011 ist er Mitglied des Ensemble Resonanz in Hamburg.

Liam Byrne spielt auf der Viola da Gamba sowohl sehr alte wie auch sehr neue Musik. Er hat mit führenden europäischen Ensembles für Alte Musik, darunter das Huelgas Ensembe, Dunedin Consort, Academy of Ancient Music und Fretwork, zusammengearbeitet. Häufig kombiniert er sein Instrument aus dem 17. Jahrhundert mit neueren Musikrichtungen, z.B. in Zusammenarbeit mit Komponist*innen und Musiker*innen wie Nico Muhly, Donnacha Dennehy, Shara Nova, Efterklang, Valgeir Sigurðsson und Cleek Schrey. Klanginstallationen realisierte er für das Victoria & Albert Museum, die Dulwich Picture Gallery und in Zusammenarbeit mit Nico Muhly für die National Gallery in London. 2017 erschien „Tessellatum“, ein Duo-Album mit der Bratschistin Nadia Sirota. Er ist Mitglied des isländischen Künstlerkollektivs und Plattenlabels Bedroom Community, mit dem er 2019 sein Debüt-Soloalbum „Concrete“ veröffentlichte.

Elisa Erkelenz hat französische und deutsche Literatur sowie Kulturmanagement in Bonn, Paris und Hamburg studiert. Nach langjähriger Tätigkeit als Dramaturgin und stellv. Geschäftsführung des Ensemble Resonanz widmet sie sich heute als freie Journalistin, Kuratorin und Dramaturgin klassischer und zeitgenössischer Musik. Unter anderem ist sie für die Donaueschinger Musiktage oder die Elbphilharmonie tätig, kuratiert und moderiert die Philosophiereihe „Bunkersalon“, entwickelt Kinderkonzerte und kuratiert die Konzertreihe „Outernational“. Als Journalistin schreibt sie z.B. für das VAN Magazin, in dem sie mit einem Fellowship von #bebeethoven die Reportagereihe „Outernational“ ins Leben gerufen hat.

Outernational
Wie klingt eine Kunstmusik, die sich in Exil und Diaspora ihren multiplen, hybriden Einflüssen stellt? Wie lösen wir hörend Vorstellungen vom Eigenen und Fremden auf? Wie spiegeln Konzertprogramme eine offene Gesellschaft in ihrer Vielstimmigkeit?

„Outernational“ ist eine neue europäische Konzertreihe, die Künstler*innen präsentiert, die sich mit transtraditioneller Musik beschäftigen: Ob in einer Session zwischen Barock, persischer Klassik und elektronischer Komposition, der Sängerin Kamilya Jubran, die mit einem Streichquartett und einer Komponistin für eine multimediale Performance zusammenkommt, oder mit dem Trickster Orchestra, das Musiker*innen aus verschiedensten Traditionen zu einer neuen Klangsprache verbindet. Sie alle sind auf der Suche nach einer zeitgenössischen, hybriden, globalen Musik, die Exotismen und Essenzialismen vermeidet.

Den Konzerten voran geht eine umfassende künstlerische Recherche, die nicht nur Szenen und aktuelle, musikalische Entwicklungen aufspürt, sondern auch Fragen des „Musicking“, d.h. der Aufführungspraxis und Kontextualisierung, in den Blick nimmt. Ziel ist es, neue Räume für herausragende Künstler*innen fernab des Mainstreams zu öffnen. Sie werden von der Kuratorin Elisa Erkelenz im engen Dialog mit den Künstler*innen entwickelt.

Rund um jedes Konzert entsteht im VAN Magazin Outernational ein eigener, digitaler Schwerpunkt mit Hintergründen zu Musik, Instrumenten und den beteiligten Künstler*innen: www.van-outernational.com.

Ein weiteres „Outernational“-Konzert im radialsystem findet am 02. März 2021 statt.

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  • Voice und Oud Kamilya Jubran
  • Electronics und Trompete Werner Hasler
  • Davul und Visuals Cevdet Erek
  • Violine und Konzept David-Maria Gramse
  • Gambe Liam Byrne
  • Theorbe Andreas Arend
  • Kuration und Dramaturgie Elisa Erkelenz
  • Tonaufnahme Carlo Grippa
  • Regie und Konzept Heinrich Horwitz
  • Sound Mix Martin Ruch, Control Room Berlin
  • Kamera und Schnitt Florian Schmuck
  • Visuals und Licht Rosa Wernecke
  • Outernational Listening Session Naika Foroutan und Esra Küçük

Programm

15 01 2021 Konzertfilm "#2 Wa & Davul" 20 01 2021 "Outernational Listening Session" Das nächste „Outernational“-Konzert findet am 02. März 2021 im radialsystem statt.

Credits

Outernational wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Allianz Kulturstiftung und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von BTHVN2020. Medienpartner ist das VAN Magazin mit der Reportagereihe VAN Outernational.

Kamilya Jubran
Kamilya Jubran © Christopher Smolkovic
Kamilya Jubran und Werner Hasler
Kamilya Jubran und Werner Hasler © Promo
Cevdet Erek
Cevdet Erek © Theresa Baumgartner
Werner Hasler
Werner Hasler © Rémi Angeli
Liam Byrne
Liam Byrne © Tom Roelofs
David Maria Gramse
David Maria Gramse © Gerhard Kühne
Andreas Arend
Andreas Arend © Ana Prada
Elisa Erkelenz
Elisa Erkelenz © Jann Wilken

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