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So 25 10
ab 13 Uhr

Eintritt frei. Anmeldung erforderlich.

Anmeldung per E-Mail an register@radialsystem.de // Das Symposium findet auf Englisch und live für Publikum im radialsystem statt, es wird überdies digital gestreamt und übertragen // Mit gastronomischer Verpflegung.

Decolonizing Classical Musics?

Ein Symposium im Rahmen von „The other Beethoven(s)”
Kofi Agawu
Kofi Agawu © Andrew Wilkinson
Welche Missverständnisse und Fälle kultureller Aneignung finden sich in der „westlichen“ klassischen Musik von Beethoven über Mozart zu Debussy? Inwiefern war diese Geschichte beeinflusst durch eine stete Folge von Migrationen? Das Goethe-Institut ist mit einer zweitägigen Programminsel erstmalig zu Gast im radialsystem: Neben einem künstlerischen Programm, das neue Arbeiten von Cathy Milliken, Brigitta Muntendorf und dem Trickster Orchestra präsentiert, findet am 25.Oktober ein Symposium zum Thema „Decolonizing Classical Musics?“ statt. Das Symposium wurde vom Goethe-Institut organisiert und in Zusammenarbeit mit Elisa Erkelenz konzipiert. Zur Diskussion stehen Fragen zur Postkolonialität, Raubmusik und heutiger transtraditioneller Kompositionspraxis - wie kann uns ein Wandel zu dekolonialem Denken im Feld der so genannten klassischen Musik und ihren heutigen, klanglichen Entsprechungen gelingen?

Das Symposium wird durch eine Video-Keynote des Musikwissenschaftlers Kofi Agawu eröffnet, in der er die Ursprünge von Kunstmusik in der Subsahara und die Praxis postkolonialen Komponierens reflektiert. Dieser erste Impuls wird durch Patrick Hahn und Sandeep Bhagwati aufgegriffen, die im Rahmen einer Listening Session historische Missverständnisse bezüglich „orientalischer“ Topoi in der westlichen klassischen Musik und Möglichkeiten der Etablierung eines gerechteren Weltmusik-Ökosystem erörtern. Anschließend widmen sich die Komponist*innen Brigitta Muntendorf, Cathy Milliken, Amen Feizabadi und die Sängerin Svetlana Spajić der Frage transtraditioneller Komposition und Interpretation heute.

Den Abschluss des Symposiums bildet ein fließender Übergang in die Konzertreihe „Outernational: Transtraditional concerts“. Die Reihe macht sich an drei Konzertabenden auf die Suche nach einer zeitgenössischen, hybriden, globalen Musik ohne Exotismen und Essenzialismen. Zum Auftakt stellen sich die Philosoph*innen Timothy Morton und Wendy M. K. Shaw in einer „Outernational Listening Session“ Fragen des postkolonialen Wandels in Kooperation mit Gastkünstler*innen aus Bangkok, Chiang Mai und Bangalore. Umrahmt wird die Listening Session von zwei Konzerten des Berliner Trickster Orchestras. Unter dem Motto „Disturbing The Universal / DIY“ vereint es Musiker*innen verschiedenster Traditionen zu einem Sound transtraditioneller Musik.

The other Beethoven(s)
Das Symposium findet im Rahmen des weltweiten Projekts „The other Beethoven(s)“ statt, mit dem das Goethe-Institut anlässlich des 250. Geburtstags Ludwig van Beethovens eine unbekannte Seite des Bonner Komponisten beleuchtet: Ausgehend von seinem in späteren Jahren erwachten Interesse für nichteuropäische Perspektiven spüren Künstler*innen und Komponist*innen aus Asien, Afrika, Osteuropa und Deutschland dieser Weltoffenheit nach und übersetzen sein Werk in eine neue, zeitgenössische Sprache. Das Ergebnis ist eine Reihe von Konzerten, Installationen und Performances, die ab 2020 sowohl in Deutschland als auch in den beteiligten Ländern zu sehen sein werden. Mit Cathy Millikens „Ode for All“ und der Installation „Covered Culture“ von Brigitta Muntendorf und Moritz Lobeck erleben zwei dieser Produktionen im radialsystem in Berlin ihre Premiere. Darüber hinaus wird auch die Reihe "Outernational" von Elisa Erkelenz mit einem Konzert des Trickster Orchestras "Disturbing the Universal" im Rahmen der Berliner Programminsel gezeigt.
Weitere Informationen unter []https://www.goethe.de/otherbeethoven

Teilnehmer*innen

Der ghanaische Musikwissenschaftler Kofi Agawu wurde für seine Arbeit u.a. mit der Dent-Medaille, dem Howard-T.-Behrman-Preis der Universität Princeton sowie mit Ehrentiteln der Universität Stellenbosch (2017) und des Bard Colleges (2019) ausgezeichnet. Neben seiner publizistischen Tätigkeit ist er Corresponding Fellow der British Academy, Fellow der Ghana Academy of Arts and Sciences, Ehrenmitglied der Royal Musical Association und Adjunct Professor am Institut für Afrikastudien der Universität von Ghana, Legon.

Sandeep Bhagwati ist ein international tätiger Komponist, Forschungsprofessor, Theatermacher und Medienkünstler. International bekannt ist er für seine großen, oft ortsspezifischen Multimedia-Installationen und Performances. Seit 2006 leitet er das von ihm gegründete „matralab“ an der Concordia University Montréal – ein Labor für interdisziplinäre und interkulturelle künstlerische Forschung in Musik und den Darstellenden Künsten.

Der Dramaturg, Autor und Musikmanager Patrick Hahn arbeitete als Dramaturg mit Komponisten wie Georges Aperghis, Manos Tsangaris und Klaus Lang sowie mit den Regisseur*innen Calixto Bieito, Rudolf Frey und Lydia Steier zusammen. Als Autor und Moderator war er u.a für WDR 3, die Neue Musikzeitung, das Beethoven-Haus Bonn, das VAN-Magazin und das Goethe-Institut tätig. Seit der Saison 2015/16 ist er künstlerischer Planer des Gürzenich-Orchesters Köln.

Der iranische Komponist, Musiktheaterautor und Musiker Amen Feizabadi übersetzt in seinen Stücken fiktionale, dokumentarische und kollektive Geschichten in musikalische Formen. Seine Kompositionen basieren auf orientalischer und westlich-klassischer zeitgenössischer Musik. Sein Musiktheaterprojekt „Erzählungen aus der Lagune - Sammelleidenschaft des Fährmanns“ wurde 2018 an der Deutschen Oper Berlin und dem Unabhängigen Theater Teheran uraufgeführt. Im Rahmen von „The other Beethoven(s)“ plant er eine weitere Produktion in Teheran und Berlin.

Svetlana Spajić ist eine serbische Sängerin, Performerin und kulturelle Aktivistin. Sie ist Mitglied des ersten Inter-Balkanischen Traditionellen Orchesters und arbeitet mit verschiedenen Chören zusammen. Seit 2015 leitet sie das in Belgrad ansässige „Retnik-Festival“, das generationenübergreifend Interpret*innen traditioneller Musik zusammenbringt. Außerdem leitet sie die Svetlana Spajić Group, ein Frauenensemble mit einem breiten Repertoire an historischen serbischen A-Capella Liedern.

Die freischaffende Performerin, Komponistin, Kreativdirektorin und Programmberaterin Cathy Milliken ist Gründungsmitglied des Ensemble Modern. Neben ihrer Arbeit als Komponistin konzertiert sie regelmäßig als Vokalistin und Oboistin. Sie ist Mitglied des Ensemble Extrakte, einer Berliner Formation, die bekannt ist für ihre vielfältige musikkulturelle Praxis. Aktuell arbeitet sie im Kreativteam der Münchener Biennale für Musiktheater und ist Ehrenmitglied des Deutschen Musikrates und des Goethe-Instituts.

Die international renommierte Komponistin Brigitta Muntendorf verfolgt die Vision einer Musik, die Referentialität als Kompositionsprinzip verinnerlicht und sinnstiftende Verbindungen zu anderen Kunst- und Ausdrucksformen herstellt. Ihre Werke werden von zahlreichen Ensembles wie Ensemble Modern und Klangforum Wien gespielt sowie u.a. beim Festival d'Automne Paris und der Ruhrtriennale aufgeführt. Seit 2017 ist sie Professorin für Komposition an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Philipp Rhensius ist Soziologe und Musikwissenschaftler, Autor, Musiker, Soundkünstler und Redakteur von Norient in Berlin. Seine Arbeit untersucht Zusammenhänge zwischen Mikro- und Makropolitik und ist angetrieben von der Idee, dass das Fühlen der Ketten der erste Schritt der Emanzipation ist. Rhensius’ Texte erscheinen u.a. in taz, Spex, NZZ und diversen Buchbänden. Seine Musik- und Soundkunst-Projekte (Kl.ne, aphtc, Alienationist) verbinden Sonic Fiction mit sardonischer Poesie und viszeralem Klang. Seine Soundtracks für Performances wurden u.a. auf der Biennale in Venedig 2017 oder zuletzt im Palazzo delle Esposizioni in Rom vorgestellt. Er ist Gründer des Labels Arcane Patterns und produziert einen monatlichen Podcast auf Noods Radio in Bristol.

Wendy M. K. Shaw ist Professorin für die Kunstgeschichte Islamischer Kulturen und lehrt seit 2014 am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin. Sie promovierte 1999 an der UCLA in Los Angeles und gehört zu den Expertinnen einer jüngeren Generation von Kunsthistorikerinnen, die die Schnittstellen und Debatten zwischen Moderne und Postkolonialismus, Philosophie, Religion und Kunst in der islamischen Welt beleuchten.

Timothy Morton hat den Rita Shea Guffey Chair für Englische Literatur an der Rice University in Houston, Texas, inne. Er arbeitete u.a. mit Björk, Ólafur Elíasson und Pharrell Williams zusammen. Mit Jeff Bridges schrieb er das Drehbuch zu „Living in the Future’s Past“ (2018), einen Film zur globalen Erderwärmung. Er ist der Autor zahlreicher Bücher und Publikationen zu Philosophie, Ökologie, Literatur, Musik, Kunst, Architektur, Design und Essen.

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  • Konzeption Jörg Süßenbach und Elisa Erkelenz
  • Konzeptionelle Mitarbeit Nathalie Feldmann
  • Teilnehmende Kofi Agawu, Sandeep Bhagwati, Patrick Hahn, Brigitta Muntendorf, Cathy Milliken, Amen Feizabadi, Svetlana Spajic und Philipp Rhensius

Programm

Programm 13.00 Begrüßung durch den Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert und Opening Video-Keynote von Kofi Agawu 13.45 Zurückhören bitte! Listening Session & Discourse mit Sandeep Bhagwati und Patrick Hahn 14.45 Pause 15.15 Transtraditional Composition Today Podiumsdiskussion mit Brigitta Muntendorf, Cathy Milliken, Amen Feizabadi, Svetlana Spajic und Philipp Rhensius (Moderation)

Rahmenprogramm

Ein Wochenende zum Thema postkolonialer Musikpraktiken: Sa 24 10 2020 ab 17 Uhr "Covered Culture" - Audiovisuelle Installation im Rahmen von "The other Beethoven(s)" 18-21 Uhr "Ode for All" - Konzertinstallation von Cathy Milliken im Rahmen von "The other Beethoven(s)" So 25 10 2020 ab 12 Uhr "Covered Culture" - Audiovisuelle Installation im Rahmen von "The other Beethoven(s)" ab 13 Uhr "The other Beethoven(s) - Decolonizing Classical Musics?" - Symposium ab 17.30 Uhr "Outernational: Transtraditional concerts" im Rahmen von "The other Beethoven(s)"

Credits

„The Other Beethovens“ ist ein Projekt des Goethe-Instituts. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Ein Projekt im Rahmen von „BTHVN 2020“. Das Symposium ist eine Kooperation zwischen dem Goethe-Institut und der Reihe „Outernational“. Medienpartnerschaft mit: VAN Outernational, tipBerlin, ExBerliner, Ask Helmut

Kofi Agawu
Kofi Agawu © Andrew Wilkinson
Wendy M. K. Shaw
Wendy M. K. Shaw © Bernd Wannenmacher

Präsentiert von

Eintritt frei. Anmeldung erforderlich.

Anmeldung per E-Mail an register@radialsystem.de // Das Symposium findet auf Englisch und live für Publikum im radialsystem statt, es wird überdies digital gestreamt und übertragen // Mit gastronomischer Verpflegung.

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